Der Hund des Schiffsjungen

1835 berichtete dies die Erfurter Zeitung:

 

Ein Schiffsjunge hatte sich zu New York auf ein Schiff bedungen, dass nach London segeln sollte.

Er konnte von dem Schiffskapitän die Erlaubnis nicht erwirken, dass er einen vorzüglich schönen Neufundlandshund mit sich nehmen durfte. Er trennte sich von ihm nicht ohne Tränen und das gute Tier blieb einige Zeit lang unruhig, doch beharrlich an dem Wasser des Hafens, als ob er noch an der Abreise seines jungen Gebieters zweifelte. Als aber die Segel aufgezogen wurden und das Schiff durch die Wellen dahinflog, sprang der Hund ins Meer, und schwamm ihm mehrere Meilen hinterher.

Weder diese Anhänglichkeit an seinen Herrn, noch die Bitten des Schiffsjungen, noch die Bewunderung der ganzen Schiffsmannschaft konnten den Hauptmann dazu bewegen, den Hund in das Schiff aufnehmen zu lassen. Er erlaubte nur, daß ihm von Zeit zu Zeit etwas Schiffszwieback zur Nahrung zugeworfen werden durfte. So verfolgte der Hund das Schiff längere Zeit, da erlag das arme Tier diesen Anstrengungen, es wurde von den Wellen, wie ein toter Hund, fortgetrieben.

Jetzt, zu spät, gestattete der Kapitän, den toten Hund aufzufischen. Es geschah. Er gab aber noch Zeichen des Lebens von sich und nun bot der Schiffsjunge alles auf, um ihn dabei zu erhalten. Dies glückte ihm auch nach einiger Zeit, er erholte sich nach und nach von seiner Entkräftung und wurde so munter wie früher.

Fast am Ziel der Reise litt das Schiff, etwa 2 Meilen von London, Schiffbruch, die ganze Mannschaft fand dabei ihren Tod, außer dem Schiffsjungen, den der Hund in den Hafen schleppte, wobei er die größten Gefahren mutig überwand. Als er ihn in Sicherheit sah, legte er seine Pfoten auf ihn, und bellte solange und so laut, als er konnte, um Hilfe dadurch herbeizurufen.

Diese kam auch. Der Schiffsjunge lag noch immer ohne Besinnung da, und der Hund beobachtete mit unruhigen unverwandten Blicken die Fischer, welche sich eingefunden, den Erstarrten wieder ins Leben zurückzurufen. Als dieser endlich ein Zeichen des Lebens von sich gab, leckte er dankbar die Hände der Fischer und legte sich dann zu den Füßen des Wiedererwachten, und wandte kein Auge von ihm, worin sich die innigste Zuneigung und Freude kund machte.