Der Landseer

(Zukunft braucht Herkunft (Odo Marquardt))
 

Die kanadische Provinz Neufundland ist das Ursprungsland des Landseers. Die historische Verwendung der Landseer dort war vielseitig und nachdem diese Hunde auch bei härtesten Witterungsbedingungen treu ihren Dienst leisteten, wurden sie zu bedeutenden Helfern der Menschen zu jeder Jahreszeit.

Sie unterstützten z.B. die Fischer beim Einholen der Netze und Boote oder halfen Holzfällern beim Transport und trugen so in der damaligen Zeit sehr zur Entwicklung des Küstenlandes bei.

Durch ihr eindrucksvolles weiß-schwarzes Erscheinungsbild wurden im 18. Jahrhundert französische und englische Seefahrer auf diese Hunde aufmerksam und nahmen sie mit nach Europa.

Auch soll es einer dieser gutmütigen Riesen gewesen sein, der dem Grossen Napoleon, der bei seiner Flucht vor der Insel Elba ins Wasser fiel, das Leben rettete.

Zum größten Ruhm gelangten diese Bären aber durch den Maler Sir Edwin Landseer, der 1837 das berühmte Gemälde "Ein verdienstvolles Mitglied der Lebensrettungsgesellschaft" - "A distinguished member of the human society" - schuf.         

Es stellt den Hund Paul Pry dar, wie er gelassen und doch aufmerksam auf einer Kaimauer liegend über das Wasser schaut.

Das Leben des Paul Pry war außergewöhnlich: Seinen Herrn brachte er zweimal bei Schiffbrüchen schwimmend an Land, beim ersten Mal lebend, beim zweiten Mal konnte er seinen Herrn nur noch tot bergen. Von da an lebte er auf sich allein gestellt am Hafen. Er beobachtete die Vorgänge am Wasser und rettete so manchem Kind, das beim Spielen vom Ufer abstürzte, das Leben. Dieser Rettungstrieb gehörte zu seinem Wesen, er ist heute noch ein typischer Charakterzug dieser Rasse. Zum Dank für seinen Einsatz ernannte ihn die Königliche Lebensrettungsgesellschaft zum Ehrenmitglied und sorgte fortan für sein Futter.

Bekannt geworden durch die vielen Bilder von Landseer wurde der Hund irgendwann nach dem Maler benannt. Um 1860 herum kamen auch einige Tiere nach Deutschland. Sie eigneten sich gut als Familienhunde und bewachten verlässlich Haus und Hof, denn schon allein durch das imposante Erscheinungsbild zollte man solch einem Riesen Respekt.

Seine Familie sowie Haus und Hof bewacht der Landseer zuverlässig. Er kann, falls erforderlich, auch mal sehr überzeugend drohen. Jagdtrieb hat diese Rasse nicht, Aggression gegenüber anderen Tieren ist eher selten.

Der Landseer ist sehr auf seine Menschen bezogen, allzeit bereit zum Knuddeln. Der ideale Partner für die Familie ist dieser Hund.

Bei frühzeitiger Erziehung passt er sich seiner Umgebung problemlos an. Der Landseer ist sehr lernfreudig und immer bereit etwas Neues zu erleben.

Trotz seiner enormen Größe und seines doch manchmal lebhaften Temperaments ist er ein ausgeglichener Hausgenosse - bei richtiger Erziehung versteht sich. Er sollte die Möglichkeit haben überall da zu sein, wo seine Familie ist. Das Schlimmste für einen Landseer ist, von den Aktivitäten seiner Leute ausgeschlossen zu werden. 

Gern hält er sich im Freien auf, immer seine Liebsten im Blick.  Spaziergänge liebt er ebenso wie Toben im Schnee, bei beidem ist er in seinem Element. Nach gewisser Einübung kann er einen Schlitten oder einen Bollerwagen ziehen.  Er freut sich, wenn er seinen Menschen eine Freude machen kann. Im Wasser ist der Landseer in seinem Element. Der angeborene Instinkt alles aus dem Wasser zu bergen was sich dort befindet, hat schon vielen Menschen das Leben gerettet. Zwischen seinen Zehen befinden sich Schwimmhäute, er ist ein leidenschaftlicher Schwimmer und ein genialer Wasserrettungshund. 

Der bekannte britische Dichter Lord Byron verfasste 1808 eine "Liebeserklärung" an den Landseer. So ließ im Park seines Schlosses Newstead Abbey auf das Grabmal seines seines verstorbenen weiß-schwarzen Freundes aus Neufundland die Worte einmeißeln:

 

„An dieser Stelle ruhen die Gebeine

Von Einem,

welcher Schönheit besaß, ohne Eitelkeit,

Stärke ohne Übermut,

Mut ohne Wildheit

und alle Tugenden des Menschen,

ohne seine Laster.“